Mit dem Elektroauto in die Sackgasse

Der Termin entfällt wegen der Coronaviruspandemie. Er wird nachgeholt.

Die Notwendigkeit einer Verkehrswende

Vortrag und Diskussion von und mit Winfried Wolf

Montag, 23. März 2020 um 18.00 h
Kaffeehaus im Georg-Asmussen-Haus, Böckmannstr. 3

Mit dem Elektroauto in die Sackgasse
Die Notwendigkeit einer Verkehrswende
Veranstaltung der Partei DIE LINKE in Hamburg
Vortrag und Diskussion von und mit Winfried Wolf
Montag, 23. März 2020
Kaffeehaus im Georg-Asmussen-Haus, Böckmannstr. 3 um 18.00h


Seit 50 Jahren behauptet die Autoindustrie, es gäbe eine innere Reform der Autogesellschaft: mit Katalysator, mit spritsparenden Autos („Swatch-Car“), mit „Biosprit“. Das erwies sich immer als Sackgasse bzw. als Nebelbank, hinter der eine nochmals größere Pkw-Dichte durchgeführt werden konnte. Jetzt also soll es das Elektroauto sein. Doch auch dies wird sich als Sackgasse erweisen. Ja, der Klimawandel wird mit Elektromobilität beschleunigt.
Dr. Winfried Wolf ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac, Chefredakteur von Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie. Wolf ist aktiv bei Bahn für Alle und in der Bewegung gegen Stuttgart 21. Er veröffentliche im März 2019 „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum die Elektromobilität den Klimawandel beschleunigt“ (Wien 2019; Promedia; 220 Seiten).
Der Referent entwickelt die Konzeption einer alternativen Verkehrsorganisation. In dieser stehen der nichtmotorisierte Verkehr (zu Fuß gehen, Fahrrad fahren), Tram, S-Bahn, ein ÖPNV-Nulltarif und eine Flächen- und Bürgerbahn im Zentrum. Wolf widerlegt dabei die klassischen drei Totschlagargumente: Diese Alternative ist erstens finanzierbar (und kostet wesentlich weniger als eine gesteigerte Autogesellschaft). Sie schafft zweitens Millionen neue Arbeitsplätze. Dafür lassen sich drittens Mehrheiten finden. Richtig ist: Die Macht der Autokonzerne ist so groß und die zerstörerische Dynamik, der sie folgen, so mächtig, dass eine Vergesellschaftung der Autoindustrie und die Umwandlung der Produktion (Konversion) auf der Tagesordnung steht. Was eine alternative Verkehrsorganisation für Hamburg sein könnte – und was die Straßenbahn damit zu tun hat –wollen wir nach dem Vortrag Wolfs beschreiben. Nicht vergessen: Es geht immerhin um die Zukunft des Planeten. „ALL days for future“ oder auch: DGB – Die Ganze Bäckerei steht auf der Tagesordnung!


Bereits die CO2-Bilanz eines E-Autos ist über seinen Lebenszyklus hinweg nur wenig besser als die eines Verbrenner-Autos. Und es gibt neue Probleme: E-Autos sind meist Stadtautos und zu mehr als 50 % Zweitwagen. Bei der Förderung von Lithium für die Batterie werden gewaltige Mengen Wasser verbraucht. Kobalt ist knapp und mit Kinderarbeit verbunden. Die Entsorgung der Batterien ist völlig ungeklärt. Eine flächendeckende Ladestruktur kostet Milliarden. Der Flächenverbrauch eines E-Pkw ist ebenso stadtzerstörerisch wie der eines herkömmlichen Pkw. Vor allem wird beim E-Pkw die Problematik „peak oil“ ergänzt um die Problematiken mit anderen knappen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Kupfer.
Der Buchautor und Referent, Winfried Wolf, sieht in der „Elektromobilität“ eine neue Sackgasse. Er analysiert den Hype um E-Pkw als logische Folge der aktuellen Konkurrenz in der Weltautobranche: Die aufsteigenden chinesischen Autokonzerne wollen damit an die Weltspitze rollen (und für die Deckung des Strombedarfs mehr als 30 neue AKW bauen!). Die westlichen Autokonzerne sind vom chinesischen Markt abhängig. Zugleich hat die neue Branchenkrise bereits begonnen. In Deutschland sind bis zu 200.000 Jobs bedroht – durch Rationalisierungen, vermehrten Robotereinsatz und die teilweise Umstellung auf E-Pkw-Produktion.